Familie im Zentrum –
die Kita wird zum Familienzentrum

Der Gesetzgeber fördert die Weiterentwicklung!

Eine Unterstützung und Förderung von Familien hat der Gesetzgeber bereits seit 1991 ausdrücklich gesetzlich in § 16 SGB VIII (KJHG) verankert: "Müttern, Vätern, anderen Erziehungsberechtigten und jungen Menschen sollen Leistungen der allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie angeboten werden. Sie sollen dazu beitragen, dass Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte ihre Erziehungsverantwortung besser wahrnehmen können."

Die Novellierungen des SGB VIII (KJHG) im Jahr 2005 haben im 3. Abschnitt "Förderung von Kinder in Tageseinrichtungen und Tagespflege" die Zusammenarbeit mit den Eltern konkretisiert. Kindertageseinrichtungen sollen:

  • die Erziehung und Bildung in der Familie unterstützen und ergänzen (§ 22 (2) 2.)
  • den Eltern dabei helfen, Erwerbstätigkeit und Kindererziehung besser miteinander vereinbaren zu können (§ 22 (2) 3.)
  • mit anderen kinder- und familienbezogenen Institutionen und Initiativen im Gemeinwesen, insbesondere solchen der Familienbildung und -beratung zusammenarbeiten (§ 22a (2) 2.)
  • das Angebot pädagogisch und organisatorisch an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien orientieren (§ 22 (3))

Dabei stellt sich Ehe und Familie in unserer heutigen Gesellschaft als eine eher instabile Lebensform dar. Dieser Traditionsverlust beinhaltet aber zu gleich einen großen Gewinn an individueller Freiheit. Familiensysteme in unserer heutigen Gesellschaft charakterisieren sich nicht mehr über die Kernfamilie (Mutter – Vater – Kind), sondern bieten eine große Vielfalt an verschiedensten Familienkonstellationen.

Die Erziehungsbalance hat sich durch den Wandel der Familie von Mehrgenerationenhaushalt (Kernfamilie) zu oftmals sogenannten Patchwork-Familien, alleinerziehenden Mütter /Vätern oder aber auch Wochenend-Familien verschoben.

Durch die zunehmende Berufstätigkeit beider Eltern und die stetige Entstehung von Kindertagesstätten und Ganztagsgrundschulen verteilt sich die Erziehungsbalance in der heutigen Zeit anders.

Chancengerechtigkeit beginnt im Kinder- und Familienzentrum!

Die Ergebnisse von PISA 2 haben gezeigt, dass die Bildungsbiografie weiterhin fast ausschließlich von der Herkunft abhängt. Kinder- und Familienzentren können gerade für die Zeitfenster 0 - 3 Jahre und 3 - 6 Jahre durch niedrigschwellige Angebote für alle Familien mehr Chancengerechtigkeit erreichen.

Um alle Kinder optimal zu fördern, brauche es neben hochwertiger Betreuung, Bildung und Erziehung das Zusammenwirken von Eltern, Institutionen und Politik. Familien müssen möglichst früh, am besten ab der Schwangerschaft, bedarfsgerecht begleitet und gegebenenfalls unterstützt werden.

Jedes Kind ist exzellent, und seine Eltern sind in den ersten Jahren die wichtigsten Erziehungsexperten. Die Kita wird zu einem Familientreffpunkt.

Early Excellence Centres sind in England weit verbreitet und werden in internationalen Studien erstklassig bewertet. Das erste Zentrum, das Familienzentrum Pen Green, wurde bereits vor 20 Jahren von Margy Whalley in der Arbeiterstadt Corby gegründet. Die drei Leitlinien des Early-Excellence-Konzepts lauten:

  1. Jedes Kind ist exzellent!
    Im Zentrum der pädagogischen Arbeit steht das Kind mit seinen Stärken und Kompetenzen.
  2. Eltern als die ersten Erzieher sind die Experten ihrer Kinder!
    Sie werden in die Bildungsprozesse ihrer Kinder einbezogen und arbeiten mit den Erzieher/-innen zusammen.
  3. Die Kindertageseinrichtung wandelt sich zu einem Kinder- und Familienzentrum!
    Als Bildungsstätte öffnet sie sich nach innen und außen für junge Familien. 

Kindertagesstätten als Knotenpunkt eines neuen Netzwerkes können Familien umfassend beraten und betreuen, Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Bildungs – und Erziehungsaufgaben stärken sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sichern. Voraussetzung dafür ist, dass die existierenden Angebote vor Ort stärker vernetzt und durch die Kindertagesstätte gebündelt werden (Hebammen, Babymassage, Pekip, Yoga für Kinder, Erziehungsberatung, Elterncafe, Beratung für Väter, Ehrenamtsvermittlung).

Je früher Familien, vor allem sogenannte bildungsferne und benachteiligte Familien, erreicht werden, umso größer ist die Chance, frühkindliche Bildungsprozesse zu unterstützen. Hierfür sind wohnbereichsnahe und niedrigschwellige Familiennetzwerke, verbunden durch Kindertageseinrichtungen, eine ausgezeichnete Möglichkeit. Diese Netzwerke müssen mit den Akteuren "rund ums Kind" möglichst sofort flächendeckend geknüpft werden. Unsere Gesellschaft kann und darf es sich nicht leisten, auch nur ein Kind zurückzulassen, das mehr aus seinen Möglichkeiten machen könnte, wenn es die erforderliche Unterstützung bekommt.